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Haushaltsrede zum Etat 2011 (Sperrfrist 21.03.11, 16.00 Uhr)
Sehr geehrter Herr Bürgermeister, meine sehr geehrten Damen und Herren!
Wie aus den aktualisierten Zahlen der Verwaltung zu entnehmen ist, hat sich die Haushaltssituation der Gemeinde Jüchen für das Haushaltsjahr 2011 nicht fundamental verändert. Sie ist weiterhin defizitär, die überwiegend pflichtigen Aufwände übersteigen die erzielten Erträge, zum Ausgleich des strukturellen Defizits reicht die Ausgleichsrücklage nicht, ein Verzehr von Eigenkapital in Höhe von knapp 2,4 Mill. € ist Fakt, der Puffer zur Haushaltssicherung beträgt, wenn ich den Tarifabschluss im öffentlichen Dienst mit berücksichtige, zur Zeit ca. 550.000 €.
Die Einschränkung "zur Zeit" ist mit Blick auf das fehlende amtliche Zahlenmaterial zum Finanzausgleich wichtig und gibt zugleich einen Hinweis auf das absurde Theater, welches von der Landesregierung bezüglich verlässlicher Daten aufgeführt worden ist.
Herr Bürgermeister, meine sehr geehrten Damen und Herren!
So ist es zweifellos ein einmaliger und von der Sache her ungeheurer Vorgang, dass die Verwaltung einen Haushaltsentwurf im Rat einbringt und zur Beratung vorlegt und keine verlässlichen Daten der Landesregierung zum Finanzausgleich vorliegen. Dieser Umstand wurde am 8. Januar 2011, am Morgen der FDP Haushaltsberatungen, noch durch die Pressemitteilung getoppt, dass die Gemeinde laut einer "vorweihnachtlichen" E-Mail-Mitteilung vom 23. Dezember 2010 1,9 Millionen € weniger aus dem Finanzausgleich erhalte, als im Entwurf angenommen. Dass eine solche Ertragsminderung für den Haushalt der Gemeinde keine Lappalie bedeutet, verdeutlicht der Hinweis, dass die gestrichene Ertragssumme von 1,9 Mill. € ziemlich exakt dem Aufwand entspricht, den die Gemeinde für freiwillige Leistungen im Haushalt veranschlagt hat, d.h. für Kinder- und Jugendarbeit, für Sport, Kultur, Freizeitangebote, öffentliche Ordnung usw.
Herr Bürgermeister, meine sehr geehrten Damen und Herren!
Damit wir uns nicht missverstehen - auch die FDP-Fraktion tritt ein für eine Reform der Kommunalfinanzen, die dauerhaft zu verlässlichen und nachhaltigen Finanzausgleichdaten führt. Aber was sollen alle Anstrengungen unsererseits, Erträge zu steigern und Aufwände zu reduzieren, wenn im Handstreich durch die Änderung eines Parameters zum Finanzausgleich eine nicht vorhersehbare Verschlechterung eintritt. Wir jedenfalls sehen darin eine Missachtung der kommunalen Selbstverwaltung und eine Diskreditierung der Arbeit der ehrenamtlich tätigen Räte vor Ort.
Unwillkürlich erinnerten
mich die geschilderten Umstände an die Gestalt des "Sisyphos" aus der
griechischen Mythologie.
Herr Bürgermeister, meine sehr geehrten Damen und Herren!
"Unnütze und aussichtslose Arbeit" - genau an diese absurde
Situation des Sisyphos sah ich mich also mit Blick auf unsere
Konsolidierungsbemühungen bezüglich des Haushaltes 2011 erinnert.
Erfolgreiche Arbeit fortsetzen
Die FDP-Fraktion setzt also darauf, dass es
zusammen mit dem Kooperationspartner CDU gelingt, die Haushaltssicherung
dauerhaft zu vermeiden und trotzdem aus eigener Kraft Handlungsspielraum zu
behalten. Deshalb sehen wir grundsätzlich keine Veranlassung, von der bisherigen
politischen Ausrichtung abzuweichen. Wir sind in Jüchen auf einem guten Wege und
wollen das bisher Erreichte erfolgreich fortsetzen, um Eigenständigkeit und
Zukunftsfähigkeit der Gemeinde zu sichern. Vor allem aber können wir dadurch mittelfristig die Haushaltssituation nachhaltiger und verlässlicher gestalten. Als Zugpferd setzen wir dabei neben der werbewirksamen Ansiedlung Polo auf das in diesem Jahr zu erstellende Logistikcenter Kleine in Jüchen Ost.
Herr Bürgermeister, meine sehr geehrten Damen und Herren!
Auch die FDP-Fraktion weiß, dass noch viel Arbeit zu leisten ist. Wir sind uns dabei bewusst, dass kein Spielraum für neue Ausgaben besteht, ausdrücklich ausgenommen hiervon sind rentierliche Investitionen in die Infrastruktur. Deshalb unterstützen wir den Vorschlag des Bürgermeisters, freiwillig nach der im Haushaltssicherungskonzept aufgestellten Investitionsdringlichkeitsliste zu verfahren.
So wird die haushaltsrechtlich genehmigte Dreifach-Sporthalle zwischen Gierath und Bedburdyck errichtet und ersetzt nach Fertigstellung die maroden alten Hallen in Stessen und Gierath. Übrigens leisten wir damit auch einen Beitrag zur immer wieder beschworenen intergenerativen Gerechtigkeit. Wir schaffen für die nachrückenden Generationen eine moderne Halle, statt die alten mit 1,2 Mio.€ zu sanieren.
Herr Bürgermeister, meine sehr geehrten Damen und Herren!
Wichtig ist die weitere
Arbeit am Verkehrsentwicklungsplan, neben den in Ausführung oder Planung
stehenden Kreisverkehren wird uns die L 354n und die L19n beschäftigen sowie die
Erschließung und Beplanung des Rekultivierungsgebietes.
Die Nahversorgung im
Raume Bedburdyck-Gierath wird weiterhin als dringlich eingeschätzt, eine
Realisierung scheitert aber momentan an der noch nicht gelösten
Grundstücksfrage.
Herr Bürgermeister, meine sehr geehrten Damen und Herren!
Zu
einer verantwortungsbewussten Politik gehört auch, dass wir ungeschminkt und
vorbehaltlos den Blick auf die gemeindliche Haushalts- und Finanzsituation
richten.
Herr Bürgermeister, meine sehr geehrten Damen und Herren!
Die FDP-Fraktion stimmt
dem Haushaltsentwurf nebst Anlagen für das Haushaltsjahr 2011 zu.
Ihnen danke ich für Ihre Aufmerksamkeit. Herbert Altenberg
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